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Brunch mit Del Weddings #3 mit Floristin Sandra Merhaut von der Bindestelle

Der Frühling hat nun offiziell begonnen. Auch wenn wir in der aktuellen Lage den Frühling vielleicht noch nicht so ausnützen können, wie wir uns das eigentlich vorstellen würden, können wir dennoch die Zeit nutzen, um ein paar Sonnenstrahlen am Balkon, im Garten oder bei der Gassirunde mit dem Hund einzufangen und dafür dankbar zu sein. Damit aber zumindest Zuhause etwas mehr Frühling einziehen kann, empfehlen sich ein paar frische Frühlingsblumen. Das ist auch ein Garant für gute Laune und macht die Zeit daheim einfach schöner!

Besonders ans Herz legen können wir euch die Blumen der Bindestelle, ein Meisterfloristikbetrieb in Salzburg. Wir hatten sogar das Glück mit der Inhaberin der Bindestelle, Sandra Merhaut, unseren Frühlingsbrunch zu verbringen, mit ihr über Hochzeiten zu quatschen und sie mit Fragen zur Floristik zu durchlöchern.

Viel Spaß beim Lesen!

 

 

Liebe Sandra, schön, dass wir heute gemeinsam brunchen und uns austauschen können! Du bist ja Floristin, erzähl doch mal, wie du dazu gekommen bist!

Ich wollte eigentlich schon immer Floristin lernen, habe aber leider zu meiner Zeit keinen Ausbildungsbetrieb gefunden und hab deshalb damals in Salzburg drei Jahre lang die Lehre zur Gärtnerin gemacht. Ich hab zu der Zeit noch in Oberösterreich gewohnt und bin die 1,5 Stunden nach Salzburg gependelt. Die Stadt hat mich einfach fasziniert!

Kurz nach meiner Lehre kam dann mein Sohn zur Welt und ich war dementsprechend in Karenz. In der Zeit hab ich mich allerdings nicht nur meinem Sohn gewidmet, sondern die Zeit auch genutzt, um mir alles anzueignen, um Floristin zu werden. Letztendlich hab ich dann auch um eine Ausnahmeprüfung zur Floristin angesucht, die ich auch erfolgreich abgeschlossen habe. Also konnte ich dann endlich als Floristin in einigen Geschäften arbeiten.

Für mich war aber auch klar, dass ich noch die Meisterprüfung machen möchte, wozu ich mich dann 2011 endgültig entschlossen habe. Diese Ausbildung hat zwei Jahre gedauert. Nebenbei hab ich auch in Teilzeit weitergearbeitet und wurde als Leihfloristin für große Veranstaltungen in Wien gebucht.

Nachdem ich dann die Meisterprüfung geschafft hab, wollte ich jedoch noch mehr lernen und machte die Ausbildung zur Eventmanagerin und Kräuterpädagogin.

Mit 01.01.2015 wagte ich letztendlich den Schritt in die Selbstständigkeit.

 

Wow, du bist ja eine richtige Powerfrau! Wieso hast du dich dann für die Selbständigkeit entschlossen?

Grundsätzlich ist es einfach so, dass man sich in jedem Geschäft anpassen muss. Natürlich kann man kreativ sein, aber trotzdem muss man das machen, was gewünscht wird. Man ist auch auf die Materialien beschränkt, die der Chef/die Chefin einkauft. Wenn man dann mal was ausprobieren möchte, heißt es leider oft, dass es zu teuer wäre, niemand  kauft es oder einfach nicht zum Laden passen würde. Man ist also in gewisser Weise immer ein bisschen eingeschränkt…

Außerdem wird eigentlich immer der Chef/die Chefin des Geschäfts gelobt, dass er/sie etwas super gemacht hat oder das Geschäft schön ist, obwohl das oft der Verdienst der fleißigen Bienchen im Hintergrund ist.

Schon in meiner Lehrzeit habe ich von meinem eigenen Laden geträumt. Das brauchte aber definitiv ein großes Stück Mut und auch einfach die richtige Zeit. Und ohne meine Familie hätte ich meine ganzen Ausbildungen und damit den letzten Schritt zur Selbstständigkeit nicht geschafft!

 

Du hast gesagt, du wolltest schon immer Floristin werden. Was genau liebst du denn so an deinem Beruf?

Zum einen die Vielseitigkeit. Jeder Tag ist anders, genauso wie die Natur. Man kann die Natur erleben und gemeinsam mit ihr arbeiten.

Auch die glücklichen Gesichter der Kunden sind Gold wert. Man schafft es einfach, sie ein Stück aus ihrem Alltag herauszuholen.

Und jetzt mit meinem eigenen Laden kann ich auch endlich meine Ideen ausprobieren, ausleben und verwirklichen, was einfach so schön ist! Mit meinem Laden habe ich mir einen Traum verwirklichen können, ein kreativer Raum wo sich Kunden Inspirationen holen, entspannen, Ruhe genießen und sich ein Stück Natur mit nach Hause nehmen können.

 

Du hast auch erwähnt, dass du eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin gemacht hast. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Kräuterpädagogen sind Naturbotschafter!

Es geht da viel um Naturschutz und Artenvielfalt, um besondere Pflanzen, die uns Menschen auf Schritt und Tritt begleiten, die überall zu finden sind. Jeder sieht sie, keiner kennt sie wirklich. Man lernt die Natur als „Schatzkammer“ zu sehen – mit sämtlichen Sinnen. Durch das Sehen, Fühlen, Riechen, Schmecken … und Genießen!

Die wenigsten Menschen wissen, was man aus Kräutern, Blättern, Wurzeln etc. alles machen kann, man muss einfach wie bei allen neuen Projekten klein anfangen.

 

Du hast ja jetzt deinen eignen Laden. Erzähl mal, was genau ist die Bindestelle?

Wie der Name schon sagt Binde – Stelle, ein Ort zum kreativ sein.

Bei uns dreht sich alles um Blumen & Pflanzen, es entstehen einzigartige florale Werkstücke.

Vom kleinen Blumenstrauß bis hin zu großen Events, Firmenfeiern, Familienfeiern, Beerdigungen etc. ist alles mit dabei.

Neben dem Laden kümmern wir uns auch um die blumige Begleitung bei Hochzeiten, gemeinsam mit den Brautpaaren arbeiten wir ein Blumen-Konzept aus, das genau auf ihre Wünsche abgestimmt ist.

Was passend zu Hochzeiten vielleicht auch spannend für die Brautpaare sein könnte, sind unsere Workshops, die wir in der Bindestelle anbieten.

 

Workshops? Das klingt interessant … was kann man sich da genau darunter vorstellen?

Grundsätzlich bieten wir verschiedenste Workshops an, die auch immer auf unserer Website bzw. Facebook und Instagram ausgeschrieben werden. Momentan gibt’s zum Beispiel Workshops für Türkränze oder Osterneste.

Neben diesen öffentlichen Workshops gibt’s dann aber auch private Workshops, die wir gerne speziell auf verschiedene Gruppen abstimmen. Das ist oft für das „Team Braut“ besonders spannend. Es besteht zum Beispiel die Möglichkeit, dass eine Gruppe von Freundinnen dann zu mir in den Laden kommen und wir stellen gemeinsam die Tischdeko her. Oder der Workshop findet im Rahmen des Polterns statt und die Frauen machen sich gemeinsam Blumenkränze, die sie dann gleich aufsetzen können und als Blumenmädchen und „Bride to be“ feiern können! Das finde ich einfach eine so schöne Idee und macht das Poltern zu etwas ganz Besonderem.

Ich stelle dabei die Materialien, mein Wissen und die Technik zur Verfügung und dann kann sich jeder austoben. Das Schöne daran ist, dass selbst wenn alle das Gleiche machen und alle meine „Anleitung“ umsetzen, am Ende jeder sein individuelles Stück hat. Jedes Werk sieht ganz anders aus! Man muss dafür auch nichts „können“ oder besonders kreativ sein … glaubt mir, das kann jeder!!

Die Workshops sind einfach eine schöne Auszeit aus dem Alltag. Es ist was Besonderes – einfach mal was selbst zu machen und dann auch schlussendlich das Werk in den Händen zu halten ist wirklich schön. Die Zeit mit den Freundinnen bleibt einfach eine Erinnerung, die man nicht so schnell vergessen wird!

Das stell ich mir auch total schön vor und könnte für die Brautpaare wirklich spannend sein! Woher holst du dir denn deine Inspirationen?

Aus dem alltäglichen Leben. Für mich ist es meistens die Gassirunde mit meinem Hund, wo ich mir die meiste Inspiration hole. Mir selbst ist es wichtig saisonal und vor allem auch mit der Natur zu arbeiten, da bietet sich natürlich keine bessere Inspirationsquelle als die Natur selbst an.

Mir ist selbst auch wichtig, dass mein Laden eine Wohlfühloase ist. Auch das inspiriert mich, natürlich neben meiner jahrelangen Erfahrung. Floristik kann man zwar nicht neu erfinden, aber man muss auch einfach mal mutig sein und sich trauen neue Farbkombis etc. auszuprobieren.

Auch bei Fachmessen  kann man sich immer wieder neue Ideen holen, vor allem auch was Farben angeht. Es werden dort aber auch vor allem die aktuellen Trends vorgestellt, was für mich weniger interessant ist. Mein Ziel ist, dass alles kombinierbar und zeitlos ist. Ich möchte nicht mit dem Trend gehen und auch keine Massenware herstellen. Ich bin definitiv keine Nachahmerin und lasse mich nicht so von Trends leiten. Für mich ist ja gerade Nachhaltigkeit und Upcycling ein großes Thema, das würde sich für mich dann einfach widersprechen.

 

Apropos Nachhaltigkeit: Woher beziehst du eigentlich deine Blumen?

Ich setze da auf Regionalität und Saisonalität.

Ich versuche, dass ich so viel wie möglich aus der Umgebung, also von heimischen Produzenten beziehe.

Speziell Tulpen und Sommerschnitt  bekomme ich aus Salzburg.

Außerdem bin ich gerade dabei mir meinen eigenen Schneidegarten anzulegen. Mit dem Projekt habe ich bereits angefangen und werde auf jeden Fall schauen, dass ich das weiterhin ausbaue.

 

Wenn wir gerade von den Blumen sprechen … hast du eine Lieblingsblume?

Ich hab keine wirkliche Lieblingsblumen, es gibt so viele schöne! Aber grundsätzlich hab ich immer saisonale Lieblingsblumen. Jetzt im Frühling sind das Ranunkeln! Generell mag ich rosé- oder lachsfarbene Blumen total gerne!

Ich bin aber auch auf jeden Fall ein Naturblumenmädchen und liebe Blumen, die man einfach so beim Gassigehen pflücken kann. Gänseblümchen zum Beispiel sind immer wieder ein Highlight für mich!

 

Würdest du auch sagen, dass verschiedene Blumen für etwas Bestimmtes stehen?

Definitiv. Es gibt gerade in der Floristik immer gewisse Symbole. Rosen stehen zum Beispiel immer in gewisser Weise für Liebe, das passt dann auch einfach nicht immer.

Gerade auch in der Trauerfloristik finde ich das sehr wichtig. Viele Menschen haben anfangs keine genauen Vorstellungen, was sie möchten und bestellen einfach einen Standardkranz oder Bouquet. Für mich ist es aber wichtig zu wissen: Was war der Verstorbene für eine Person? War es ein Blumenfreund? War es eine Person die knallige Farben oder dezente, naturtöne Farben liebte? Da gibt es einfach Unterschiede, die ich natürlich auch einarbeiten möchte. Auch die Beziehung zu dieser Person ist wichtig, es macht einen Unterschied, ob ich etwas für die Beerdigung meiner Oma oder meines Chefs möchte.

Auch bei Hochzeiten finde ich das einfach essenziell, dass das Blumenkonzept zum Brautpaar passt. Mir ist es aber wichtig, dass ich mich davor mit dem Brautpaar treffe, um unsere Vorstellungen anzugleichen. Ich nehme mir da immer die Zeit für die Kunden. Das persönliche Gespräch und das Interesse am Brautpaar ist einfach unersetzlich.

Man braucht da grundsätzlich auch einfach ein Gefühl für die Menschen. Wenn jemand das Geld für hochwertige Floristik in die Hand nimmt, dann will man da auch das Beste draus machen! Es soll sich für die Menschen auch wirklich lohnen. Diese persönliche Komponente ist schließlich das, was wirklich den Unterschied macht.

 

Das persönliche Gespräch finde ich auch immer besonders wichtig, das ist einfach was ganz anderes! Würdest du denn zusammengefasst sagen, dass du in der Floristik deine Berufung gefunden hast?

Ja, definitiv!!

Dennoch ist man manchmal am Zweifeln, weil es einfach ein harter Job ist. Ich habe eine 6-Tage-Woche und arbeite auch dementsprechend viel. Das Problem dabei ist nur, dass wir als Floristen anders als andere Handwerker keine Arbeitszeit verrechnen dürfen. Ein Tischler beispielsweise rechnet seine Arbeitsstunden mit dem Kunden ab, wir als Floristen können das leider nicht machen, obwohl wir auch oft stundenlange an einem Projekt arbeiten.

Außerdem befinden wir uns natürlich im ständigen Konkurrenzkampf. Mittlerweile kann man fast überall Blumen kaufen, ob in einem Einrichtungshaus oder im Supermarkt. Dort werden die Blumen natürlich auch dementsprechend billig verkauft. Was man als Kunde dabei aber oft vergisst ist, wo die Blumen herkommen. Die werden teilweise aus Afrika importiert, da geht es einfach um die Masse. Das hat nichts mit Fair Trade und Nachhaltigkeit zu tun. Ich muss auch sagen, dass man qualitativ natürlich einen Unterschied merkt! Qualitativ hochwertige Blumen halten auch dementsprechend länger und man kauft Produkte aus der Umgebung. Ich kann da definitiv nur anraten auf Qualität vor Quantität zu setzen und vor allem auch die kleinen Läden und nicht die großen Ketten zu unterstützen.

 

Da hast du Recht! Allein das Gefühl ist ein anderes, wenn man die Blumen direkt beim Floristen kauft und nicht irgendwo im Supermarkt. Hast du abschließend noch eine Inspiration für uns?

Die Welt ein bisschen bunter gestalten!

Liebe Sandra, vielen, vielen Dank für dieses schöne und inspirierende Interview mit dir. Wir wünschen dir nur das Beste!

 

 Wenn ihr jetzt Lust auf ein wunderschöne, regionale und saisonale Blumen habt, schaut unbedingt in der Bindestelle vorbei oder besucht die Website: https://bindestelle.com/

 

 

Bindestelle Meisterfloristik

Inh. Sandra Merhaut
Maxglaner Hauptstraße 73
5020 Salzburg

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